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In der Softwareentwicklung gibt es heute nur noch drei Einstiegsstellen auf zehn aus dem Jahr 2019. Gleichzeitig liegen Ausbildungsplätze für Fachinformatiker 27 Prozent über dem damaligen Niveau. Das zeigt, wo Unternehmen gerade sparen und welche Folgen diese Entscheidung für ihr technisches Recruiting hat.

Das Angebot an Junior-, Trainee- und Einsteigerpositionen ist in Deutschland seit 2022 massiv zurückgegangen. Im Juli 2026 lag es 46 Prozent unter dem Niveau von 2019. Auch Praktika und Werkstudentenstellen sind betroffen. Ihre Zahl lag zuletzt 24 Prozent unter dem Vergleichswert.

Die naheliegende Erklärung lautet häufig KI. Unternehmen automatisieren Aufgaben und brauchen deshalb weniger Berufseinsteiger. Die Daten geben diese Erklärung bisher nicht her.

Die Konjunktur streicht zuerst die Stellen, die später fehlen

Der Rückgang begann bereits im Frühjahr 2022. ChatGPT erschien erst im November desselben Jahres. Ein direkter KI-Effekt lässt sich aus der zeitlichen Entwicklung daher nicht ableiten.

Die schwache Konjunktur trifft Berufseinsteiger zuerst. Unternehmen halten sich bei Neueinstellungen zurück und sparen dort, wo Investitionen erst später Wirkung zeigen. Genau dazu zählen Juniorstellen. Ein erfahrener Software-Engineer soll sofort liefern. Ein Junior braucht Einarbeitung, Betreuung und Zeit. In unsicheren Phasen wirkt diese Rechnung für viele Unternehmen zu teuer.

Das ist kurzfristig nachvollziehbar. Für das Recruiting wird daraus trotzdem ein teurer Fehler. Ohne Einstiegspositionen fehlt der Nachwuchs, der in zwei oder drei Jahren technische Verantwortung übernehmen könnte. Die Lücke entsteht heute. Sichtbar wird sie erst, wenn erfahrene Fachkräfte fehlen und jede offene Position monatelang unbesetzt bleibt.

KI erklärt den Rückgang nicht. Sie macht die Auswahl der Einstiegsjobs sichtbar

In 26 von 28 untersuchten Berufsgruppen ist das Angebot an Einstiegsjobs gesunken. Besonders stark fällt der Rückgang in Bereichen aus, in denen KI mehr als 60 Prozent der Fähigkeiten und Aufgaben übernehmen oder unterstützen kann. Dort gab es im Juli 2026 ungefähr halb so viele Einstiegsstellen wie 2019.

Diese Korrelation klingt zunächst eindeutig. Sie ist es aber nicht. Die Entwicklung setzte vor dem öffentlichen Durchbruch generativer KI ein. Die Konjunktur bleibt die plausiblere Erklärung.

Für technische Recruiter steckt darin trotzdem eine wichtige Warnung. Unternehmen können Juniorstellen nicht einfach streichen und später problemlos wieder aufbauen. Nachwuchskräfte brauchen konkrete Einstiegsmöglichkeiten. Ohne diese Pipeline wird jede Suche nach erfahrenen Spezialisten schwieriger. Der Markt bietet dann weniger Kandidaten, die sich aus einer Juniorrolle entwickelt haben. Gleichzeitig steigt der Druck auf die wenigen erfahrenen Fachkräfte, die bereits heute schwer zu gewinnen sind.

Ausbildung funktioniert, weil sie näher am eigenen Bedarf liegt

Die duale Ausbildung entwickelt sich stabiler. Zwischen August 2025 und Juli 2026 waren im Durchschnitt 50 Prozent mehr Ausbildungsplätze inklusive dualem Studium ausgeschrieben als 2019. Seit 2023/24 ist das Angebot zwar leicht gesunken. Es liegt trotzdem über dem Niveau des Gesamtmarkts.

Ein Grund liegt in der Zusammensetzung. Nur 15 Prozent der Ausbildungsstellen haben ein hohes KI-Transformationspotenzial von mehr als 60 Prozent. Bei Einstiegsjobs sind es 42 Prozent. 37 Prozent der Ausbildungsplätze liegen bei einem niedrigen Transformationspotenzial unter 40 Prozent. Bei Einstiegsjobs sind es lediglich 9 Prozent.

Ein weiterer Punkt ist die Nähe zum eigenen Unternehmen. Betriebe qualifizieren Auszubildende für konkrete Aufgaben und übernehmen sie häufig. Das reduziert das Risiko der Investition. Gleichzeitig entsteht technisches Know-how, das sich am externen Arbeitsmarkt oft nur mit hohen Gehältern einkaufen lässt.

In der Softwareentwicklung zeigt sich der Unterschied besonders deutlich. Auf zehn Einstiegsstellen aus dem Jahr 2019 kommen heute nur noch drei. Die Zahl der Ausbildungsplätze für Fachinformatiker liegt dagegen 27 Prozent über dem damaligen Niveau.

Die Rechnung mit der Automatisierung geht nicht dauerhaft auf

Junge Menschen einzustellen und auszubilden kostet Zeit und Geld. In einer schwachen Wirtschaft wirkt es deshalb attraktiv, auf weniger Nachwuchs zu setzen und Aufgaben stärker zu automatisieren. Diese Rechnung hat ein Problem. Automatisierung steht allen Unternehmen offen. Der Vorteil verschwindet, sobald der gesamte Markt dieselben Werkzeuge nutzt.

Dann bleibt die Frage, woher die Fachkräfte kommen, die Systeme entwickeln, betreiben und verantworten. Unternehmen, die heute jede Juniorstelle streichen, verschieben dieses Problem nur. Später suchen sie dieselben Kompetenzen auf einem Markt, auf dem erfahrene Kandidaten ihre Bedingungen selbst auswählen.

Gute technische Kandidaten warten nicht auf deine Stellenanzeige. Für Juniors gilt das ebenso, sobald sie erste praktische Erfahrung gesammelt haben. Geschwindigkeit im Prozess entscheidet dann genauso wie die Qualität der Position.

Wie sieht eure technische Talentpipeline in drei Jahren aus, wenn ihr heute kaum noch Einstiegspositionen besetzt?

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