Deutschland fehlen 2026 noch 79.000 IT-Fachkräfte. 2023 waren es 149.000. Die Zahl der offenen Stellen hat sich damit fast halbiert. Trotzdem melden 97 Prozent der Unternehmen mit IT-Vakanzen erhebliche Schwierigkeiten bei der Besetzung. Das Problem ist also nicht verschwunden. Es ist anspruchsvoller geworden.
Die Zeiten, in denen eine größere Reichweite automatisch mehr passende Bewerbungen gebracht hat, sind vorbei. 78 Prozent der Unternehmen sprechen weiterhin von einem IT-Fachkräftemangel. 76 Prozent erwarten, dass sich die Lage in den kommenden Jahren wieder verschärft. Gleichzeitig fehlen für spezialisierte Rollen die passenden Qualifikationen.
Genau diese Verschiebung sehe ich in Gesprächen mit Unternehmen immer wieder. Eine Stelle bleibt offen, obwohl Bewerbungen eingehen. Der Lebenslauf passt auf den ersten Blick. Beim technischen Gespräch zeigt sich dann, dass aktuelle Technologien fehlen, die Projekterfahrung nicht ausreicht oder die Kommunikation im Team nicht funktioniert.
Weniger Bewerbungen sind nicht das Kernproblem
31 Prozent der Unternehmen nennen zu wenige Bewerbungen als Schwierigkeit. Die größeren Bremsen liegen an anderer Stelle. 47 Prozent vermissen ausreichende Deutschkenntnisse. 43 Prozent sehen fachliche Qualifikationslücken. 33 Prozent bemängeln fehlende Kenntnisse aktueller Technologien. Bei 32 Prozent fehlen die nötigen Soft Skills.
Das zeigt eine unbequeme Wahrheit. Mehr Bewerbungen bedeuten nicht automatisch bessere Kandidaten. Ein Unternehmen kann seine Reichweite verdoppeln und trotzdem keinen Software Engineer finden, der Architekturentscheidungen treffen, moderne Tools einsetzen und seine Arbeit verständlich erklären kann.
Schwer zu besetzen heißt deshalb nicht unbesetzbar. Es heißt, dass eine Standard-Stellenanzeige und ein breit angelegter Bewerbungsaufruf für diese Rolle nicht ausreichen. Die Suche muss genauer werden. Skills, Projekterfahrung und tatsächliche Aufgaben gehören in den Mittelpunkt. Der Jobtitel allein sagt über die Passung oft erstaunlich wenig aus.
Die gesuchten Profile sitzen an den technischen Engpässen
Besonders gefragt sind Fachkräfte für Administration und Systembetreuung. Dieser Bereich macht 26 Prozent der genannten Spezialisierungen aus. Softwareentwicklung und Softwarearchitektur folgen mit 17 Prozent. Cloud und Infrastruktur liegen bei 14 Prozent, IT-Sicherheit und Cybersecurity bei 11 Prozent.
Diese Rollen lassen sich selten mit austauschbaren Profilen besetzen. Eine Person für Systembetreuung braucht andere Erfahrungen als ein Cloud Architect. Ein Softwareentwickler mit Schwerpunkt Backend bringt andere Voraussetzungen für eine Architekturrolle mit. Genau an dieser Stelle verliert Recruiting Zeit, wenn Anforderungen unklar bleiben oder die Ansprache zu allgemein formuliert ist.
Gute technische Kandidaten warten nicht auf deine Stellenanzeige. Sie prüfen, ob die Aufgabe fachlich interessant ist, ob die Technologien relevant sind und ob der Prozess professionell wirkt. Eine beliebige Nachricht mit dem Betreff „spannende Herausforderung“ überzeugt dabei niemanden. Active Sourcing funktioniert nur, wenn die Ansprache konkret auf Erfahrung und Aufgaben des Kandidaten eingeht.
KI nimmt Druck aus Aufgaben, nicht aus der Personalsuche
42 Prozent der Unternehmen mit IT-Stellen nutzen bereits KI-Lösungen. Weitere 36 Prozent planen den Einsatz. Die Anwendung bleibt häufig punktuell. 43 Prozent setzen KI vereinzelt ein, 46 Prozent in einzelnen Bereichen.
Von einem breiten Stellenabbau kann trotzdem keine Rede sein. 85 Prozent der Unternehmen mit KI-Einsatz berichten von keinem Stellenabbau. Nur 10 Prozent haben vereinzelt Positionen abgebaut. Für die Zukunft erwarten 32 Prozent einen KI-bedingten Abbau. 65 Prozent rechnen ausdrücklich nicht damit.
Für das Recruiting ist eine andere Zahl entscheidender. 74 Prozent der Unternehmen sehen strategische KI-Steuerung als wachsendes Anforderungsprofil. 63 Prozent gehen davon aus, dass KI-Kenntnisse künftig in allen IT-Berufen gebraucht werden. 61 Prozent erwarten mehr Weiterbildungsdruck.
Das verändert die Suche. Ein Kandidat muss künftig nicht zwingend jede KI-Anwendung bereits produktiv eingesetzt haben. Er muss zeigen können, wie er neue Werkzeuge bewertet, sinnvoll integriert und ihre Ergebnisse kontrolliert. Unternehmen, die solche Kriterien nicht sauber definieren, suchen am Markt nach einem Profil, das sie selbst noch nicht beschrieben haben.
Interne Entwicklung bleibt wichtig. Sie ersetzt die externe Suche nicht
Unternehmen setzen durchschnittlich drei Strategien gleichzeitig gegen den IT-Fachkräftemangel ein. 34 Prozent investieren in interne Weiterbildungsprogramme. 58 Prozent wünschen sich mehr Fachkräfteeinwanderung. 52 Prozent fordern den Erhalt der Vertrauensarbeitszeit. 47 Prozent wollen Hochschulen als Weiterbildungsorte stärken. 46 Prozent sprechen sich für ein bundesweites Informatik-Pflichtfach an Schulen aus.
Weiterbildung ist sinnvoll. Sie löst eine akute Vakanz jedoch nicht automatisch. Ein Unternehmen kann einen bestehenden Mitarbeiter entwickeln. Für eine kritische Cloud-, Security- oder Architekturrolle braucht dieser Aufbau trotzdem Zeit. Zeit, die ein Projekt oft nicht hat. Geschwindigkeit im Prozess entscheidet genauso wie die Kandidatenqualität. Der Wunschkandidat unterschreibt inzwischen woanders, wenn zwischen Erstkontakt und Angebot mehrere Wochen verstreichen.
Die sinkende Zahl offener IT-Stellen darf deshalb niemanden beruhigen. Der Markt sortiert stärker aus. Unklare Anforderungen, langsame Entscheidungen und belanglose Ansprache kosten genau die Fachkräfte, die Unternehmen dringend brauchen.
Wie lange bleiben eure technischen Positionen aktuell offen und was kostet euch diese Verzögerung intern wirklich?
